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Nächstenliebe verlangt Klarheit

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." Das ist vermutlich der bekannteste Satz des Grundgesetzes. Dieser Satz steht im guten Einklang mit dem biblischen Menschenbild. Deshalb betonen wir auch immer und immer wieder, dass jeder Mensch ein Original Gottes ist und seinem Ebenbild entspricht. Jeder Mensch ist von Gott gewollt, ohne Unterschied. Deshalb darf die Menschenwürde auch nie auf eine Gruppe von Menschen beschränkt werden. Alle Menschen sind von Gott geschaffen und deshalb auch gleich viel wert.

Rechtsextremisten betonen genau das Gegenteil. Sie betonen nicht die Gleichheit der Menschen, sondern ihre Ungleichheit. Ausgangspunkt ihrer Überzeugung ist die Rassenideologie der Nazis. Schon sie gingen von der Ungleichheit der Menschen aus. Aufgrund unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Erziehung sind Menschen in ihren Augen eben nicht gleich viel wert. Wir Christen widersprechen aber dieser Ideologie. Sie steht in krassem Gegensatz zu unserem Grundsatz, dass Gott der Schöpfer aller Menschen ist, unabhängig von Hautfarbe, Religion oder kulturellem Hintergrund.

In der jüdischen Thora, also in unseren fünf Büchern Mose, steht: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn und schuf sie als Mann und Frau." Deshalb widersetzen wir uns auch jeder Ideologie, die sich nicht für die Gleichstellung, Gleichbehandlung und Gleichberechtigung aller Menschen einsetzt.

"Nächstenliebe verlangt Klarheit!" Unter diesem Motto wendet sich die Evangelische Kirche gegen den Rechtsextremismus. Ich bin froh, dass die Kirche so deutlich und klar Stellung bezieht gegen den Rechtsextremismus. Nächstenliebe verlangt Klarheit.  Sie verlangt, dass wir klar hinsehen, klar reden und klar handeln. Wir können uns nicht vornehm heraushalten, wo wir rechtsextreme Meinungen hören. Wir müssen Stellung beziehen. Wenn Menschen angegriffen werden, Ausländer diffamiert oder verfolgt werden, dann müssen wir reagieren. Wir müssen helfend eingreifen.

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." Sie zu achten und zu schützen ist nicht allein die Aufgabe des Staates. Sie ist auch unsere Aufgabe. Deshalb können wir weder Ausländerfeindlichkeit tolerieren noch die Meinung, dass nur das Starke gut sei. Deshalb widerspricht Rechtsextremismus auch fundamental unseren christlichen Grundüberzeugungen und Maßstäben. Wir müssen sogar deutlich sagen: Rechtsextremismus und christlicher Glaube sind unvereinbar.

Wilfried Manneke


Unser Kreuz hat keine Haken


Schülerinnen interviewen Wilfried Manneke in einem Gottesdienst der Stadtkirche Celle. Der Gottesdienst wurde von 1000 Jugendlichen besucht. Thema: Unser Kreuz hat keine Haken - Gib dem Hass keine Chance.Florence:  Wir interviewen jetzt Pastor Manneke aus Unterlüß. Er ist im Kirchenkreis Celle Beauftragter "Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus" und setzt sich schon länger gegen Rechts ein.

Doro:  Herr Manneke, im Film werden viele äußere Merkmale von Neonazis wie z.B. Bomberjacken und Springerstiefel genannt und erklärt. Gleichzeitig werden einige Einschränkungen vorgenommen. Gibt es von ihrer Seite aus dazu Ergänzungen oder möchten sie etwas anmerken.

Wilfried Manneke:  Bomberjacken und Springerstiefel tragen Neonazis zwar noch bei ihren Aufmärschen und öffentlichen Veranstaltungen, aber sonst kaum noch. Sie haben gemerkt, dass dieses Outfit viele Menschen abschreckt. Im Alltag treten sie deshalb eben nicht mehr so militärisch auf. Sie greifen aber auch nicht einfach so in die Klamottenkiste. Viele besorgen sich Kleidung von Thor Steiner, Fred Perry oder Consdaple. Das soll sicherstellen, dass sie untereinander erkennbar sind.
Es gibt ein aktuelles Buch mit Titel: Neonazis in Nadelstreifen. Die Autoren Andrea Röpke und Andreas Speit berichten darüber, welche Methoden Neonazis heute anwenden, um Mitbürger für ihre Ziele zu gewinnen.

Imke:  Wenn man sich so einen Film wie den eben anschaut, dann geht man nicht gerade davon aus, dass man mit einem Nazi Tür an Tür wohnt. Das scheint eher (weit) entfernt zu sein. Wo sind denn in Celle rechtsextreme Brennpunkte zu finden?

Wilfried Manneke:  Es gibt hier die Gruppe „Freie Kräfte Celle“. Diese Gruppe nannte sich bis vor zweieinhalb Jahren noch „Kameradschaft 73 Celle“, in Anlehnung an eine  frühere SS-Standarte. Einen eigenen Bezug zur SS herzustellen, schafft natürlich nicht nicht nur Freunde. Das hat die Gruppe erkannt und sich in „Freie Kräfte“ umbenannt. Ihre politische Ausrichtung hat sich dadurch natürlich nicht geändert: Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus, Antipluralismus – das sind weiterhin ihre Kennzeichen.
In Celle treten sie mehrmals im Jahr mit Infoständen in Erscheinung. Sie beteiligen sich auch an Neonazi-Aufmärschen, wie z.B. jedes Jahr im August in Bad Nenndorf. Sie haben auch selber schon Aufmärsche hier in Celle organisiert.
Sie sind auch mitverantwortlich für die immer wieder stattfindenden Neonazi-Treffen auf dem Hof des NPD-Aktivisten Joachim Nahtz in Eschede. Kenner der Szene meinen, dass es die größten Zusammenkünfte von Neonazis im norddeutschen Raum sind.

Florence: Wie versuchen Neonazis die Jugendlichen anzusprechen?

Wilfried Manneke: Viel läuft über Musik. Gerade weil Musik eine starke emotionale Wirkung hat, nutzen Neonazis Musik, um junge Menschen anzusprechen. Ihre Musikrichtungen unterscheiden sich nicht von anderer Musik. Die Texte machen aber den Unterschied. Es sind häufig sehr menschenverachtende und hasserfüllte Texte. Leider sind diese Texte für manche Jugendlichen sehr verführerisch. Hier ein Textbeispiel aus Lied "Belsen" der Gruppe Kommando Freisler "Geheime Reichssache:

"In Belsen, in Belsen, da hängen sie an den Hälsen ...
In Buchenwald, in Buchenwald, da machen wir die Juden kalt ...
In Auschwitz weiß ein jedes Kind, dass Juden nur zum Heizen sind ...
Der Rabbi, dieses alte Schwein, der kommt dann in den Ofen rein."

Was für ein furchtbarer Text !!!

Weil Werbung durch Musik so verführerisch ist, verteilen Neonazis kostenlos Schulhof-CDs mit rechtsextremen Inhalten, auch in Celle. Vor folgenden Schule sind bereits solche CDs verteilt worden:

Hermann-Billung-Gymnasium
Schulen in der Burgstraße
Berufsschulzentrum Altenhagen

Doro:  Warum haben rechte Gruppierungen heute immer noch so viel Zuwachs?

Wilfried Manneke:
  Neonazis treten gerne als Kümmerer auf. So sammeln sie die Entmutigten und Perspektivlosen. Es sind meistens Jugendliche, die keine Lehrstelle bekommen haben, die um ihren Arbeitsplatz bangen oder für Hungerlöhne schuften müssen. Ihnen versprechen die heutigen Nazis Unterstützung, z.B. indem sie fordern: „Ausländer raus!“

Diese Forderung ist aber keine Lösung. Diese Forderung ist nichts anderes als eine menschenverachtende Kampfansage.  Deshalb müssen wir ihre Angriffe abwehren – in den Parlamenten, auf den Straßen, in den Schulen, Betrieben und Kasernen.  Die Rechtsextremen gewinnen, wenn wir ihnen tatenlos zusehen.  Sie gewinnen, wenn wir uns nur empört abwenden, statt ihnen entgegenzutreten.
Neonazis sind heute eben in vielen Bereichen aktiv. Sie versuchen in den Sportvereinen, junge Leute gewinnen. Sie laden zu Abenteuern ein. Sie versprechen eine schützende Gemeinschaft. Leider haben sie damit immer wieder Erfolg.

Imke:  Zum Schluss bleibt noch eine Sache, die wir noch wissen wollen: Was kann ich selbst gegen Rechtsextremismus tun?

Wilfried Manneke:  Wachsam sein! Was tut sich in meinem Umfeld? Höre ich da etwa fremdenfeindliche oder sogar rassistische Äußerungen? Wie wird über Behinderte gesprochen? Wie wird über den Holocaust geredet? Werden die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlost?
Wenn ich merke, dass sich da etwas anbahnt, sollte man es sofort thematisieren, andere darauf aufmerksam machen und mit den Lehrern darüber reden.
Es gibt in Celle und Umgebung auch vier Initiativen gegen Rechtsextremismus. Bezieht sie mit ein, denn gemeinsam sind wir stark.


Stellunganhme des Rates der Gemeinde Unterlüß

Mit Entsetzen und Betroffenheit nimmt der Rat der Gemeinde Unterlüß die jüngsten Brandanschläge auf Bürgerinnen und Bürger in Unterlüß und Faßberg zur Kenntnis und verurteilt diese. Rechtsextremes Verhalten darf nicht verharmlost werden. Rechtsextremes Gedankengut macht sich schleichend inmitten unserer Gesellschaft breit. Menschen werden aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer Nationalität oder Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Identität, ihres Alters, ihrer Behinderung, ihrer sozialen Stellung oder ihrer persönlichen Umstände mit Gewalt bedroht. Leider müssen wir feststellen, dass es auch in unserer Gemeinde offenbar rechtsextremistische Aktivitäten gibt.

Wir wollen, dass sich die Verbrechen der Vergangenheit nicht wiederholen, und deshalb müssen wir entschlossenes und gemeinsames, aber gewaltfreies Handeln entgegensetzen. Politik, Vereine und Verbände, Gruppen und Initiativen, Kirchen, Unternehmen, Betriebs- und Personalräte, Behörden, Institutionen, alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, unsere Gesellschaft weiterhin aktiv gegen Anfeindungen zu verteidigen und dem weiteren Anwachsen des Rechtsextremismus gewaltfrei Einhalt zu gebieten.

Der Rat der Gemeinde Unterlüß stellt fest, dass rechtsextremistisch motivierte Aktivitäten und Diskriminierungen eindeutig im Widerspruch zu dem im Grundgesetz garantierten Schutz der Menschenwürde und der Gleichbehandlung stehen. Deshalb

  • verpflichtet sich der Rat der Gemeinde Unterlüß im Rahmen seiner Möglichkeiten, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um jeder Art von rechtsextremistischen Aktivitäten entgegenzuwirken.
  • fordert der Rat der Gemeinde Unterlüß alle Bürgerinnen und Bürger sowie alle ansässigen Vereine und Verbände, Gruppen und Initiativen, Kirchen und Unternehmen auf, sich dieser Selbstverpflichtung anzuschließen. Wir brauchen ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen Rassismus und Gewalt.
  • wird der Rat der Gemeinde Unterlüß Maßnahmen ergreifen und diejenigen unterstützen, die in Schulen und Jugendeinrichtungen die demokratische Entwicklung fördern und Jugendliche und junge Erwachsene in der Auseinandersetzung mit rechtsextremistischen Parolen stärken.
  • fordert der Rat der Gemeinde Unterlüß die Bundesregierung und die Landesregierung auf, verstärkt Aufklärung über rechtsextremistische Aktivitäten zu organisieren und Initiativen gegen Rechtsextremismus zu unterstützen.

Der Rat der Gemeinde Unterlüß ruft alle Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde auf, gemeinsam und deutlich Zivilcourage zu zeigen:

  • Verwahren Sie sich gegen diskriminierende und rassistische Äußerungen.
  • Schauen Sie bei Übergriffen von Rechtsextremisten nicht weg.
  • Rufen Sie bei rechtsextremistischen Straftaten unverzüglich die Polizei.
  • Treten Sie aktiv gegen Ausgrenzung und für ein friedliches Zusammenleben ein.

Der Rat dankt an dieser Stelle dem Rat der Gemeinde Nümbrecht (Oberbergischer Kreis), dass er der Verwendung der Resolution vom 15.12.2011 in abgewandelter Form zugestimmt hat.


Gemeinsam geht es besser


Schule und Kirche arbeiten in Unterlüß gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus.

Der Grund-und Hauptschule Unterlüß wurde im März (2001) der Titel „Schule ohne Rassismus“ verliehen. Es war zum ersten Mal, dass eine Schule im Landkreis Celle diese Auszeichnung erhielt. Innerhalb Niedersachsens gibt es somit jetzt sieben Schulen, die diesen Titel tragen dürfen.

Schule ohne Rassismus
SchülerInnen und LehrerInnen in Unterlüß haben vier Jahre lang daran gearbeitet, an ihrer Schule ein Klima zu schaffen, welches Gewalt und Rassismus den Nährboden entzieht. Dieses Engagement führte schließlich zur Auszeichnung: Schule ohne Rassismus. Natürlich sind sich in Unterlüß alle darüber im Klaren, dass dieser Titel letztlich nur den Weg kennzeichnet, den diese Schule gehen möchte. Niemand erhebt hier den Anspruch, bereits das Ziel erreicht zu haben. Vermutlich wird dieses wohl auch immer ein Traum bleiben. In Unterlüß möchten SchülerInnen und LehrerInnen diesen Traum aber wenigstens soweit wie möglich verwirklichen. Darin werden sie tatkräftig von Eltern, Kommunalverwaltung und Kirche unterstützt.

Neo-Nazis vor unserer Haustür
Warum sich heute SchülerInnen und LehrerInnen in Unterlüß so deutlich gegen Gewalt und Rassismus aussprechen, hat folgenden Hintergrund: Schüler der oberen Klassen vertraten vor ungefähr vier Jahren in zunehmendem Maße rassistische und rechtsradikale Überzeugungen. Ein großer Teil von ihnen schloss sich sogar zu einer festen Gruppe zusammen, die sich durch Bomberjacken, Springerstiefel und kahl geschorenen Köpfen auch äußerlich zur Rechten Szene bekannte.
Zielgerichtete Provokationen und Anfeindungen dieser Gruppe gegen Spätaussiedler führten schon bald zu erheblichen Spannungen vor Ort. Immerhin haben Spätaussiedler in Unterlüß einen Bevölkerungsanteil von ungefähr 15%.

Erste Schritte gegen Tritte
Der Schulleiterin Gabriele Kreuzer und mir wurde schnell klar, dass hier sofort etwas unternommen werde müßte. So ergriffen wir gemeinsam die Initiative und luden kommunale Vertreter, Eltern und Polizei zu einer ersten Krisensitzung ein. Der Erfolg dieser Begegnung war, dass daraufhin kurz entschlossen Arbeitsgruppen gebildet wurden, die zum einen den Kontakt zu den ortsansässigen Jugendlichen aus der Rechten Szene aufnahmen, zum anderen die schwierige Situation mit den Eltern dieser Jugendlichen erörterten.
Intensive Gespräche mit beiden Gruppen erstreckten sich über Wochen. Es wurden dazu auch Fachleute hinzugezogen, wie z.B. Andreas Sedlag von der „Aktion Courage – SOS Rassismus“ oder Michael Draeke vom „Arbeitskreis gegen Hetendorf 13“.
 
Gewalt-Prävention in Schule, Jugendtreff und Kirche.
Ebenso wichtig wie die Gespräche mit Jugendlichen aus der Rechten Szene und deren Eltern war unsere Präventionsarbeit in Schule, kommunalem Jugendtreff und Kirche. So wurden Projekte wie „Schritte gegen Tritte – Vom Umgang mit Gewalt in Südafrika und bei uns“ von und mit dem Hermannsburger Pastor Klaus Burckhardt wiederholt an der Schule durchgeführt. Andreas Sedlag, Trainer im Villigster Deeskalationsteam, führte mehrfach „Anti-Gewalt-Training“ durch. Zusätzlich gestaltete er den Konfirmandenunterricht mit, in dem er mit dem Projekt „Fair-Ständnis“ für mehr Toleranz im Umgang mit Freunden und Fremden warb.

Das gemeinsame Hauptziel dieser und weiterer Aktionen war es,

  • unterschiedliche Gewaltursachen, -strukturen und -reaktionen aufzuzeigen und bewusst zu machen,
  • Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, über eigene Gewalterfahrungen zu reflektieren und nach deren Ursachen zu fragen,
  • konkrete Handlungs-und Interventionshilfen im Umgang mit Gewalt im eigenen Alltag zu erarbeiten.

Der Umgang miteinander ist friedlicher geworden
Aktionen und Projekte, die gewaltfreie Konfliktbewältigung propagieren, werden bis heute regelmäßig in Schule und Kirche durchgeführt. Einige SchülerInnen der oberen Hauptschulklassen sind inzwischen auch zu Konfliktlotsen ausgebildet worden. Sie gestalten mit Hilfe ihrer LehrerInnen sogar Unterrichtseinheiten zu den genannten Themen in den unteren Klassen.
Natürlich gibt es auch weiterhin Reibereien und Spannungen an der Schule in Unterlüß. Dies läßt sich, wo Menschen miteinander leben, lernen oder arbeiten, wohl auch nicht vermeiden. Entscheidend ist aber, wie solche Spannungen ausgetragen werden. An dieser Stelle haben wir in Unterlüß nun wirklich dazugelernt. Verständnis füreinander, Toleranz miteinander, Rücksicht aufeinander haben zugenommen. Der Umgang mit Freunden und Fremden ist heute weniger aggressiv als früher. Das Klima an der Schule, im Jugendtreff und in der kirchlichen Jugendarbeit ist somit friedlicher geworden.
Der Aufwand der letzten Jahre hat sich also gelohnt. Auch die Vernetzung von Schule, Kirche und Jugendtreff in dieser Arbeit gegen Gewalt und Rechtsextremismus hat sich als erfolgreich erwiesen.

Gemeinsam geht es eben doch besser!

Wilfried Manneke


Wie Anwohner sich gegen Rechtsextreme wehren

Friedenskirche Unterlüß


Radiosendung aus der Ev.-luth. Friedenskirche Unterlüß.


Im Gemeindesaal der Ev.-luth. Friedenskirche fand eine Podiumsdiskussion statt zum Thema: Allein gegen Rechts? – Wie Anwohner in der Südheide sich gegen Rechtsextreme wehren. Die Diskussion wurde vom Nordwestradio aufgezeichnet und noch am gleichen Tag ausgestrahlt. Sie können sich die Sendung unter folgendem Link anhören:

Nordwestradio. Ein Programm von Radio Bremen und dem NDR. UKW Bremen 88,3 und Bremerhaven 95,4 MHz, Satellit Astra 1 E analog ADR Transponder 19 und Astra DVB-S Transponder 93 sowie im Kabel.

Schon seit mehr als 20 Jahre finden auf dem abgelegenen Hof von Joachim Nahtz Sonnenwendfeiern, Pfingstlager, Neonazi-Konzerte und andere Veranstaltungen statt. Zu seinen Gästen zählen Mitglieder einschlägig bekannter Neonazi Gruppen wie die „Freien Kräfte Celle“ oder die „Snevern Jungs“ aus Schneverdingen. Lange Zeit kam auch die "Heimattreue deutsche Jugend" auf dem Hof zusammen, die 2009 verboten wurde, weil sie Kinder und Jugendliche einem braun eingefärbten Drill unterzog. Gastgeber und NPD-Mitglied Joachim Nahtz dagegen spricht von "Brauchtumspflege" im Stil der Wandervogelbewegung. Nach Ansicht des niedersächsischen Verfassungsschutzes fördern diese Treffen den „Zusammenhalt der Szene“.

Doch es regt sich zunehmend Widerstand in der Südheide. Immer häufiger demonstrieren Bürger  gegen die Zusammenkünfte der Nazis in ihrer Gegend. Inzwischen hat sich ein Bündnis aus Gewerkschaften, Kirchen und Bürgern in der Heideregion gegründet, das „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“. Denn die Zusammenkünfte auf dem Hof sind nach Ansicht der Gegendemonstranten alles andere als harmlos. Neonazis aus ganz Deutschland knüpften hier Kontakte und bewürben anstehende Aktionen. "Für uns ist erschreckend, dass der Hof mehr und mehr genutzt wird, häufig sind Jugendliche und Kinder dabei", sagte eine Sprecherin des Celler Forums gegen Gewalt und Rechtsextremismus. Das Netzwerk fordert, dass die zuständigen Behörden die Treffen nicht nur beobachten, um zu verhindern, dass eine Kindeswohlgefährdung stattfindet, sondern gegebenenfalls illegales jugendgefährdendes Material konfiszieren und Strafanzeige erstatten.

Aber wer sich wehrt, lebt auch gefährlich. Gegen diese Bürger sind zahlreiche Anschläge verübt worden. So auch auf das Haus des Pfarrers Wilfried Manneke. Vor seinem Pfarrhaus landete ein Molotowcocktail, andere Häuser wurden mit  rechten Parolen beschmiert. Seit Jahren engagiert Manneke sich gegen die rechte Szene in der Region Celle. Der Verdacht liegt nahe, dass die Tat aus diesem Spektrum verübt wurde.

    •    Wie gefährlich ist das Netzwerk der Nazis?
    •    Entwickelt sich Niedersachsen zur Hochburg der braunen Szene?
    •    Warum kann man diese Treffen nicht verbieten?
    •    Und was tut die Politik?

Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren
    •    Wilfried Manneke (Pfarrer, Kirchengemeinde Unterlüß)
    •    Johanna Ottermann (Netzwerk Südheide gegen Rechts)
    •    Helge Limburg (MdL; Bündnis 90/die Grünen)
    •    Angelika Jahns (MDL, CDU)
    •    Günter Berg (Bürgermeister Eschede)
    •    Stefan Schölermann (NDR, Rechtsextremismusexperte)

    •    Moderation: Julia Meichsner (Nordwestradio)
    •    Redaktion: Hilke Theessen (Nordwestradio)



Aktiv für Demokratie und Toleranz


"Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus" erhält Auszeichnung "Aktiv für Demokratie und Toleranz"

"Aktiv für Demokratie und Toleranz" ist ein Toleranzpreis, der seit 2001 vom "Bündnis für Demokratie und Toleranz" für Projekte, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland wenden, vergeben wird.  Am 25. März 2013 wurden in Oldenburg sechs Preisträger aus Niedersachsen ausgezeichnet. Darunter war auch unser Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus.

Pressemitteilung des Veranstalters:

Das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus wurde 2009 von verschiedenen Einzelpersonen und Bündnispartnern gegründet. Anlass war die Besetzung des Hotels Gerhus in Fassberg durch Neonazis um den Anwalt J. Rieger. Die Zielsetzung liegt nun bei der Verhinderung der vielen Nazi-Treffen auf dem Hof Nahtz bei Eschede. Dort trifft sich die niedersächsische und norddeutsche Neonazi-Elite, um Aktionen zu planen, Verbindungen zu festigen und "rechte Erlebniswelten" für Jugendliche zu schaffen. Die Demonstrationen des Netzwerks Südheide machen diese Treffen öffentlich und fördern den Widerstand und die Mobilisierung gegen Rechts. Darüber hinaus fördert das Netzwerk die Bildungsarbeit in Schulen und Jugendeinrichtungen zum Thema rechtsextreme Gewalt und stellt dafür eine Ausstellungsinstallation bereit, die über die Opfer von rechter Gewalt aufklären soll. Dieses Projekt wurde mit 2.000,- € ausgezeichnet.


Demos gegen die Neonazi-Sonnenwendfeiern in Eschede


Immer wieder finden auf dem Hof des NPD-Aktivisten Joachim Nahtz (Eschede) Neonazi-Treffen statt. Besonders die „Sonnwendfeiern“ und das „Erntefest“ haben schon eine lange Tradition. Die Neonazis bezeichnen diese Feste als „Brauchtumsfeiern“. Ihr eigentliches Ziel ist es aber, auf diesen Zusammenkünften der norddeutschen Neonazi-Szene Kontakte zu pflegen, Termine abzusprechen und neue Aktionen vorzubereiten. Somit sind diese „Sonnenwendfeiern“ alles anderes als harmlos. Deshalb protestieren wir auch vehement gegen diese Treffen. Wegzuschauen wäre das völlig falsche Signal. Dort, wo Neonazis ungestört handeln können, machen sie sich breit. Ihr Szene verfestigt sich und sie nutzen die Gelegenheit, besonders junge Leute in ihre Kreise zu ziehen.

Unsere Demos gegen die "Neonazi-Sonnenwendfeier" im Winter und im Sommer beginnen immer am Bahnhof in Eschede. Der Protestmarsch führt uns von dort über die L 281 zur Kreuzung "Am Dornbusch / Zum  Finkenberg“. Dort beginnt der 1,5 km lange Sandweg, der zum Hof Nahtz führt.

Auf unserer vorletzten Demo vor der Einfahrt zum Hof Nahtz wurde zunächst der Opfer rechtsextremer Gewalt gedacht. Seit der Wende sind 182 Menschen durch "rechtsextreme Gewalt" ums Leben gekommen. Alle 182 Namen wurden verlesen und für jedes Opfer ein Luftballon in die Höhe geschickt. Auf den Karten, die an den Luftballons befestigt waren, standen die Worte: "Rechtsextremismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen."

Das "Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus" stellte auf dieser Demo auch die Siegerin des Logo-Wettbewerbs vor. Das Netzwerk hatte einen Logo-Wettbewerb durchgeführt. Es gab 110 Einsendungen. Eine unabhängige Jury hatte die nicht leichte Aufgabe, sich für eines der vielen, sehr gelungenen "Kunstwerke" zu entschieden.

Es wurde auf der Demo auch auf die neue Internetpräsenz hingewiesen: www.netzwerk-südheide.de  Es gab außerdem Ausstellungen und Informationswände. Zwei Samba-Gruppen sorgten für rhythmische Musik.

Im letzten und din diesem Jahr bildeten um 18.00 Uhr ökumenische Gottesdienste auf der L 281 den Abschluss. Ungefähr 250 Personen nahmen jedesmal daran teil. In zwei großen Gruppen zogen sie in Prozessionen aufeinander zu. Jede Gruppe legte dabei ca. einen Kilometer zurück und machte an fünf "Gottesdienst-Stationen" für je einige Minuten Halt. Am zentralen Ort des Gottesdienstes, vor der Einfahrt zum Hof Nahtz, wurden die beiden mitgeführte Balken zu einem Kreuz zusammengefügt.

Im vergangenen Jahr hielt Landessuperintendent Dieter Rating (Regionalbischof des Sprengels Lüneburg) die Ansprache und in diesem Jahr Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer. Die Gottesdienst wurde mitgestaltet von zwei römisch-katholischen und sieben evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden aus Eschede und Umgebung; auch das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (Hermannsburg) war beteiligt.

Herzlichen Dank an die NDR-Radiokirche. Sie unterstütze mit folgenden Hörfunksendungen unseren Aufruf zur Demo in Eschede, nachzuhören unter:

NDR Fernsehen berichtete in seiner Sendung "Hallo Niedersachsen" über die Demo in Eschede unter dem Titel: Eschede macht gegen Nazis mobil. http://www.ndr.de/mediathek/index.htm


Fernsehberichte über Engagement in der Südheide


In den vergangenen Jahre hat die Presse häufig über die Arbeit unseres "Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus" berchtet. Einige Fernsehbeiträge können Sie sich auch jetzt noch im Internet sehen.


Neonazis besetzen Hotel in Faßberg



Bürger machen Front gegen Neonazi-Nachbarn


Am Wochenende könnte die Situation eskalieren: Anwohner im niedersächsischen Faßberg wollen nicht länger hinnehmen, dass Rechtsradikale ein Hotel in ihrem Dorf besetzt haben. Täglich ziehen die Bürger vor das Landhaus Gerhus - und stellen sich den gewaltbereiten Neonazis gegenüber.

Reichsflaggen wehen vor dem ehemaligen Landhotel Gerhus, kahlgeschorene Männer führen einen großen Hund um das Gebäude, breitbeinig stehen zwei Bewacher an der Grundstücksgrenze. "Horst Wessel" steht auf dem T-Shirt von einem, der Name des früheren Sturmführers der SA, der den Text zur offiziellen NSDAP-Parteihymne schrieb. Sein Kamerad fotografiert mit seiner kleinen Digitalkamera die Demonstranten auf der anderen Straßenseite.

Dort stehen rund 60 Menschen und protestieren gegen die Neonazis in ihrem Dorf. Seit Sonntag kommen sie jeden Tag hierher, halten über Mittag eine Stunde Mahnwache, zeigen Transparente und Schilder, "Bunt statt braun", "Nazis raus". Vor zwei Wochen hat eine Gruppe Rechtsextremer im Auftrag von NPD-Vizechef Jürgen Rieger das alte Hotel in Beschlag genommen. Rieger beruft sich auf einen Pachtvertrag, den wiederum der Zwangsverwalter der Immobilie für ungültig hält und deswegen die Neonazis angezeigt hat. Die Polizei forderte er auf, das Gebäude zu räumen. Am Dienstag will das Landgericht in Lüneburg über den Eilantrag entscheiden.

Den einen der Bewacher, der den Demonstranten gegenübersteht, hellbraune Jacke mit Tarnmuster, kurze Hose, Sonnenbrille, den kennen sie. Es ist einer aus dem Dorf, sie nennen seinen Vornamen. Den mit "Horst Wessel"-T-Shirt und den tätowierten Armen kennen Polizei und Verfassungsschutz, es ist Dennis Bührig, Anführer der rechtsradikalen "Kameradschaft 73 Celle", die seit Jahren aktiv und über die Region hinaus von Bedeutung ist.

Nazis auf Streife, Polizei im Dauereinsatz

"Es ist unerträglich, dass so etwas geduldet wird", sagt Carl Kuhlmann, kräftige Schuhe, kurzes Hemd, und kneift die Augen zusammen. Er hat einen Heidschnucken-Hof ganz in der Nähe, ist Vorsteher des Ortsteils Niederohe. Der touristische Radwanderweg, auf dem er protestiert, führt direkt zu seinem Hof. "Aber wir stehen hier nicht nur, weil es um unsere Region geht", sagt er. Trotz Mittags- und Ferienzeit kommen täglich mehr, auch ein paar Jugendliche sind dabei, "ganz normale Anwohner", sagt Anna Jander. Sie hilft, den Protest gegen ihre neuen Nachbarn zu organisieren. "Tut was Gutes, bleibt stehen", wird zwei vorbeifahrenden Radfahrern zugerufen.

"Verheerend", findet auch Kirsten Lühmann, SPD-Kandidatin im Wahlkreis, die Situation. Ganz in der Nähe werden französische und spanische Soldaten in einer Kaserne ausgebildet. "Wenn die hier einen Spaziergang machen und das sehen, ist es oberpeinlich für uns." Ein Schullandheim liegt gleich gegenüber. Die Polizistin ist privat hier, ihr Ehemann, ebenfalls Polizist, ist im Einsatz.

Mehr als ein Dutzend Beamte haben sich postiert, passen auf, dass sich die Anwohner und Zugezogenen nicht zu nahe kommen. Sie sind jetzt rund um die Uhr hier. Bei Razzien in der rechten Celler Szene hat die Polizei in der Vergangenheit Schusswaffen gefunden. Man könne nicht ausschließen, dass die Besetzer bewaffnet seien, sagt der Einsatzleiter. So sollen bei einem nächtlichen Aufeinandertreffen von Mitgliedern der linken Szene und den Hausbesetzern schon Schüsse gefallen sein.

Zweifel an Riegers Pachtvertrag

Vor dem Hotel haben die Neonazis Transparente angebracht, "Wir sind gekommen, um zu bleiben" und "Die Presse lügt!" steht dort. Sie fühlen sich nicht als Hausbesetzer, sondern im Recht, treten entsprechend auf und zeigen sich von den Protesten unbeeindruckt. "Selbstverständlich laufen wir Patrouille", sagt Dennis Bührig, der im Namen von Jürgen Rieger das Hausrecht ausübt. Von Schüssen will der "Kameradschaftsführer" aber nichts wissen. Wie viele Bewacher sich in dem Haus aufhalten, will er nicht genau sagen, 20 bis 50 könnten es sein, meint er. Die Polizei geht von zehn bis zwölf aus, es seien aber nicht immer alle vor Ort. Als sich die Demonstration um 13 Uhr auflöst, fährt ein olivfarbener Bus der Neonazis mit Ratzeburger Kennzeichen von dem Gelände weg, an Bord sind auch Kleinkinder.

Sollte das Landgericht am Dienstagmorgen der Rechtsauffassung des Zwangsverwalters und seinem Eilantrag folgen und eine Räumung des Hotels anordnen, wollen die Neonazis passiven Widerstand leisten. Die Polizei müsste sie dann aus dem Haus tragen.

Dass es zur Räumung kommen wird, hoffen Demonstranten genau so wie Zwangsverwalter Jens Wilhelm. Der Hannoveraner Anwalt hält den Pachtvertrag für ungültig, weil er am Tag unterschrieben wurde, bevor ihn das Amtsgericht Celle mit der Verwaltung der Immobilie beauftragte. Er habe sogleich die Schlösser ausgetauscht, sechs Wochen lang sei daraufhin nichts passiert. Erst dann bekam er von Rieger ein zweiseitiges Fax geschickt, "Ich habe ihre Schlösser herausgebohrt", heißt es darin.

Eigentümer wollen höheren Kaufpreis

Damit habe Rieger aber zu lange gewartet. "Ich als Zwangsverwalter habe das Gebäude in ungenutztem Zustand übernommen, allein das zählt", sagt Wilhelm. Außerdem sei der Vertrag sittenwidrig, der festgeschriebene Mietzins mit 600 Euro im Monat viel zu gering.

Anfang nächsten Jahres könnte es zu einer Zwangsversteigerung kommen, wenn die Eigentümerin bis dahin nicht verkauft hat. Die Gemeinde hat einen Investor an der Hand, der aus dem Landhotel ein Pflegeheim machen will, 750.000 Euro bietet er. Der Eigentümerfamilie ist das zu wenig, Rieger hat ihnen mehr als eine Millionen Euro versprochen, weit mehr als der Marktwert.

Immer wieder sorgt Rieger in Kommunen mit Plänen für ein Tagungs- und Schulungszentrum für seine rechtsradikalen Gesinnungsfreunde für Aufregung. Meist scheitern die Projekte, weil die Gemeinden sich mit dem Baurecht gegen die geplante Nutzung der Immobilien wehren. Oder weil der Holocaust-Leugner am Ende doch nicht den Zuschlag erhält. So kaufte in Delmenhorst eine Initiative ein von Rieger favorisiertes Haus lieber selbst - zu einem weit überhöhten Preis.

Rieger muss sein Gesicht wahren

Landrat und Bürgermeister haben aber schon erklärt, für Rieger nicht draufzahlen zu wollen. "Wie auch?", fragt Hans-Werner Schlitte, Bürgermeister von Faßberg. "Die Gemeinde hat einfach kein Geld." Dass Rieger wieder einmal den Preis für eine eher schwer verkäufliche Immobilie in die Höhe treiben will, ist aber nur eine Option. So hält es der niedersächsische Verfassungsschutz für möglich, dass Rieger es diesmal ernst meint.

"Er gibt sich sicher zufrieden, den Kaufpreis nach oben zu treiben und davon zu profitieren", sagt der Präsident des Niedersächsischen Verfassungsschutzes, Günther Heiß. Rieger, der "fanatische Rassist", würde es aber sicherlich auch begrüßen, das Hotel längere Zeit in Beschlag zu nehmen und so in den Medien präsent zu sein. "Das ist schon ein Prestigeobjekt." Zwar sei es fraglich, ob Rieger das Hotel auch in den Wintermonaten angesichts hoher Heizkosten betreiben wolle, "aber ich halte das nicht für ausgeschlossen".

Das Landhotel Gerhus ist von fünf Bundesländern aus gut zu erreichen und liegt etwas außerhalb von Faßberg. Die rechtsextreme Szene in der Region ist gut vernetzt, und im nicht weit entfernten Eschede existiert ein Hof, auf dem Rechtsextreme regelmäßig Sonnenwendfeiern veranstalten. Auf ihrer Website wünscht die Kameradschaft 73 Celle den "ewiggestrigen Gutmenschen" schon einmal einen "langen Atem". Die Demonstranten haben angekündigt, so lange ihre Mahnwachen durchzuhalten, bis die Rechtsradikalen wieder abgezogen sind.

"Wir kennen deren Eltern"

Doch auch wenn die Rechtsradikalen das Haus räumen sollten - ganz verschwinden werden sie nicht aus Faßberg und Umgebung. Der Polizei sind etliche der Hausbewacher bekannt, sie kommen aus der Region. "Wir kennen deren Eltern", sagt Wilfried Manneke, Pastor in Unterlüß. Das seien Chancen, man müsse das Gespräch suchen, mit den Eltern und mit den Neonazis, sagt er und schaut zu den Radikalen auf der anderen Straßenseite hinüber.

Einige Jugendliche, die Manneke konfirmiert hat, traf er vergangenes Jahr bei solch einem Gespräch wieder. Sie waren in die rechte Szene abgerutscht und auf dem Weg, radikale Neonazis zu werden. Zusammen mit einem Jugendoffizier der Bundeswehr hat Manneke versucht, ihnen eine Perspektive aufzuzeigen. Dass nun Neonazis wieder ein Schulungszentrum hier aufziehen könnten, beunruhigt ihn.

In den achtziger und neunziger Jahren trafen sich Rechtsradikale aus dem ganzen Bundesgebiet regelmäßig im benachbarten Hetendorf zu Tagungen im "Heideheim" von Jürgen Rieger. Die später verbotene Wiking-Jugend feierte hier ihre jährlichen "Tage volkstreuer Jugend". Nach langen Bürgerprotesten schloss das niedersächsische Innenministerium den Schulungsort 1998, zwei rechtsradikale Vereine wurden in dem Zusammenhang verboten, Rieger aus der Lüneburger Heide vertrieben.

Nazi-Veranstaltung am Wochenende

Die Situation in Faßberg könnte sich am Wochenende zuspitzen, wenn linke Demonstranten aus Hamburg oder Hannover anreisen. Hinzu kommt: In Bad Nenndorf, 80 Kilometer entfernt, wollen Rechtsextremisten am Samstag einen "Trauermarsch" abhalten. Dort betrieben die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg im Wincklerbad ein Verhörlager. Seitdem ein BBC-Journalist aufgedeckt hat, dass Insassen zum Teil misshandelt wurden, versuchen die Rechtsextremen sich an einer "Verdrehung der Geschichte", wie es das Bündnis "Band Nenndorf ist bunt" ausdrückt.

Die schon damals umgehend geahndeten Vorfälle würden nun "heuchlerisch zu Propagandazwecken" missbraucht. Die Neonazis könnten nach ihrem "Gedenkmarsch", so die Befürchtung, ihrem neuen Domizil in Gerhus einen Besuch abstatten. Und dort auf die Gegendemonstranten treffen.

Ole Reißmann (Spiegel-online 31.7.2009)


Besetzung des Landhotels


 

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Initiative "Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus"


Selbstverständnis

Die Initiative ist ein offener Zusammenschluss von Initiativen, Organisationen, Arbeitsgruppen und Einzelpersonen im Raum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Sie will mit ihrer Arbeit rechtsextreme und menschenfeindliche Haltungen innerhalb und außerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers benennen und ihnen konstruktiv entgegen treten. Dabei geht es nicht immer um geschlossene rechtsextreme Weltbilder, sondern auch um einzelne oder verbundene Segmente „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“.

Christen und Christinnen bekennen sich zu der einen Schöpfung und zu dem einen Gott Israels, dem Vater Jesu Christi, dessen erste Jünger und Jüngerinnen jüdischen Glaubens waren. Die mit dem Judentum und dem Islam verbindende Geschöpflichkeit des Menschen, die Befreiungsgeschichte des Volkes Israel und das davon abgeleitete Gebot, sich selbst als Gast auf dieser Erde zu fühlen und deshalb eben auch die vermeintlich oder tatsächlich „Fremden“ mit gleichen Rechten und gastfreundlich aufzunehmen, verbieten jede Form von ideologisch konstruierter Ungleichheit von Menschen oder Menschengruppen. Die Kirche versteht sich als „Volk Gottes aus allen Völkern“. Darum hat sie einen inklusiven, offenen Charakter ohne Ansehen von Person, Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion und Kultur.

Die Notwendigkeit einer klaren christlichen Positionierung wird im Beschluss der 2. Tagung der 11. Synode der EKD in Ulm vom 29. Oktober 2009 deutlich: „Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist beunruhigt, dass rechtsextremes Gedankengut, das sich vermehrt in brutalen Gewalttaten äußert, in ganz Deutschland vorzufinden ist… Wir beklagen sowohl rechtsextreme Einstellungen bei Gliedern unserer Kirchengemeinden als auch zunehmende antichristliche Ressentiments und Vorfälle von Seiten Rechtsextremer. Die Demokratie ist nach christlicher Überzeugung die beste aller Gesellschaftsformen…. Die Synode der EKD bittet die Ämter der Gliedkirchen, dafür Sorge zu tragen, dass das Thema Rechtsextremismus in den Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen der Gliedkirchen Beachtung und Raum findet… Die Synode hält eine Vertiefung der theologischen Grundlagen in der Auseinandersetzung mit rassistischen, antisemitischen und menschenfeindlichen Überzeugungen und eine Prüfung der kirchenrechtlichen Konsequenzen (u.a. im Blick auf Mitgliedschaftsfragen) für dringend erforderlich.“

Wir sind der Überzeugung, dass die Ideologie des Rechtsextremismus dem christlichen Glauben zutiefst wiederspricht. Doch wir haben aus der Geschichte, speziell der deutschen  Vergangenheit schmerzhaft erfahren, dass Christen und Christinnen von rassistischen und antisemitischen Ideologien verführbar sind und Träger dieser Ideologien werden können. Die Geschichte des kirchlichen Antisemitismus ist dabei eine der besonderen Schuldverstrickungen. Heute begegnen uns diese Herausforderungen auch in Form „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“.

Das macht uns sensibel für das Fehlverhalten der eigenen Mitglieder. Wir meinen, dass innerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers die Aussagen der biblischen Botschaft zur Thematik und ein selbstkritisches historisches Bewusstsein noch stärker an Bedeutung gewinnen müssen. Daraus folgen für uns Verpflichtung und Arbeitsauftrag in Bezug auf unsere Kirchengemeinden und unsere Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Bündnissen, die sich der Thematik annehmen.

Aufgaben und Ziele

  1. Die Initiative will mit ihrer Arbeit rechtsextreme und menschenfeindliche Haltungen innerhalb und außerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers benennen und ihnen konstruktiv entgegen treten. Sie stellt sich daher einer immer nochvorhandenen Bagatellisierung entgegen. Dies bedeutet auch eine Vertiefung der theologischen Grundlagendiskussion in der Auseinandersetzung mit rassistischen, antisemitischen und menschenfeindlichen Überzeugungen und eine beratende Funktion bzgl. Empfehlungen kirchenrechtlicher Konsequenzen (u.a. im Blick auf Mitgliedschaftsfragen).
  2. Die Initiative will zur Verbesserung und gemeinsame Entwicklung von Maßnahmen, Aktivitäten, Arbeitsformen zur Auseinandersetzung mit rechtsextremen Einstellungen im Raum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers  beitragen. Sie will sich mit Fragen der Ursachen, der Aufklärung und der Prävention beschäftigen und positive Beispiele toleranten Miteinanders veröffentlichen und fördern. Sie weiß um die begrenzten Ressourcen einzelner Personen oder Initiativen in Gemeinden. Daher setzt sie auf gegenseitigen Austausch und Information zur Stärkung der kirchlichen Vernetzung durch den Auf- und Ausbau eines Email-Verteilers von Unterstützer/innen.
  3. Die Initiative will in die gesellschaftliche sowie innerkirchliche Debatte praktische Erfahrungen und fachliche Kompetenzen in den folgenden Bereichen einbringen:
    • Themarelevante und basisnahe Verkündigung in kirchlicher Erwachsenen- und Jugendarbeit
    • Beratung und Begleitung von Opfern und potentiellen Opfergruppen rechtsextremer Gewalt,
    • politische Bildung im Kontext Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus,
    • Beratung und Begleitung partizipativer Planungsprozesse zur Thematik in kirchlichen und säkularen Gemeinwesen,
    • institutionalisierte Bildungsarbeit
  4. Die Initiative will bestehende Arbeitsmaterialien sichten, Bedarfsanzeigen an Arbeitsmaterialien und Multiplikator/innen-Workshops erheben und Kontakte zu Referent/innen bereitstellen. Dazu sucht sie den engen Kontakt besonders mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirchen für Demokratie gegen Rechtsextremismus (BAGKR) sowie zur Clearingstelle Rechtsextremismus des Landespräventionsrats Niedersachsen.    

Struktur und Arbeitsweise

  1. Die kollegiale Begegnung von Personen und Beratung der Projekte in der Initiative ist Grundlage ihrer Arbeit. Aus diesem Grund ist die Initiative demokratisch verfasst und wählt aus ihrem Kreis eine Gruppe von Sprecher/innen.  Dabei sollte möglichst auf eine regionale Ausgewogenheit und Gendergerechtigkeit geachtet werden.
  2. Die Gruppe der Sprecher/innen wird durch das verantwortliche Referat im LKA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers bestätigt. Der zuständige Referent ist über die Aktivitäten des Sprecher/innen-Rats informiert und kann jederzeit an den Sitzungen teilnehmen.
  3. Fachlich angebunden ist die Initiative im Fachbereich „Kirche im Dialog“ in den Arbeitsfeldern Friedensarbeit und Weltanschauungsfragen im Haus kirchlicher Dienste. Beide Beauftragte sind qua Amt Mitglied der Sprecher/innen-Gruppe.
  4. Publizierung von Konzeptionen und politischen Stellungnahmen sind von der Sprecher/innen-Gruppe zu erarbeiten und mit der Landeskirche abzustimmen.
  5. Zur Erledigung besonderer Aufgaben kann die Initiativespezielle Arbeitskreise einrichten, die mit der selbstverantwortlichen Umsetzung und Bearbeitung von Aufgaben und Themen beauftragt sind.Die interne und öffentliche Kommunikation der Initiativeerfolgt über eine eigene Internetpräsenz, deren Inhalte die SprecherInnengrupe oder ein von ihr bestellter Arbeitskreis bestimmt.

Beschlossen durch die Vollversammlung der IKDR am 10. Februar 2012 in Hannover       www.ikdr-hannover.de


Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus

Das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus ist ein bürgerliches Bündnis und besteht aus ca. 10 rein ehrenamtlichen, aktiven Mitgliedern und ca. 400 – 500 solidarisch erklärten „passiven“ Mitgliedern. Wir sind kein Verein weil wir uns unsere freie und unbürokratische Herangehensweise erhalten möchten. Das Netzwerk wurde nach der Besetzung des Hotel Gerhus durch Neonazis um den Anwalt J. Rieger, von verschiedenen Einzelpersonen und Bündnispartnern gegründet.

Nach der erfolgreichen Verhinderung eines Nazi-Ausbildungszentrums bei Fassberg liegt unsere Zielsetzung heute bei der Verhinderung der vielen, jährlich sich wiederholenden Nazitreffen auf dem Hof Nahtz bei Eschede. Dort trifft sich seit über 20 Jahren die niedersächsische und norddeutsche Neo-Nazi Elite, um Aktionen zu planen und Verbindungen zu festigen sowie „rechte Erlebniswelten“ wie z.B. Rechtsrockkonzerte für Jugendliche zu schaffen und sie so in ihren Einfluß zu bringen und für sich zu gewinnen. Die nach Außen harmlos wirkenden Veranstaltungen laufen unter dem Deckmantel „Brauchtumsveranstaltungen“. Sonnen- und Winterwenden Feiern sowie die sog. „Erntefeste“ dienen in Wahrheit dazu traditionelle NS Ideologie zu leben und zu verbreiten.

Mit unseren Demonstrationen wollen  wir die Öffentlichkeit auf jedes dieser Treffen, aber auch möglichst alle anderen Nazi-Aktivitäten im Landkreis, aufmerksam machen und zwingen die Bürger der Gemeinde und des Landkreises, sich mit dem Thema Rechtsextremismus, auseinander zu setzen und Stellung zu beziehen. Wir klären  auf und fordern ein Ende dieser Treffen. Unsere Demonstrationen gestalten sich von Jahr zu Jahr aufwändiger und fantasievoller um mehr Bürger zum Mitmachen zu bewegen.

Wir fordern einen Gedenkstein für  den von Escheder  Neo-Nazis ermordeten Peter Deutschmann im Zentrum von Eschede. Das Netzwerk hat das Modell eines Gedenksteins gebaut und mahnt jährlich an die grausame Tat. Peter Deutschmann wurde 1999 von zwei  Escheder Neonazis brutal zusammengeschlagen und sterbend  allein in seinem Haus zurück gelassen. Diese Tat ist bis heute in Eschede nicht aufgearbeitet worden. Die Täter gehörten beide zur rechten Szene in und um Celle. Das Landgericht Lüneburg verurteilte sie wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu je fünf Jahren Jugendstrafe. Einen politischen Hintergrund wollte das Gericht nicht erkennen.

Johannes K. löste sich schon während der Haftzeit aus der rechten Szene. Heute tritt er häufig auf Veranstaltungen auf, um vor den Gefahren des Rechtsextremismus zu warnen. Das Leben von Marco S. verlief dagegen ganz anders. Er vertiefte während der Haftzeit in Hameln seine Kontakte in die niedersächsische Neonazi-Szene und organisiert und besucht heute Konzerte und Treffen auf dem Hof Nahtz.

Wir wollen aber nicht nur Peter Deutschmann gedenken, sondern allen 182 Opfern rechtsextremer Gewalt seit 1990. Eine von uns gestaltete Installation dient als didaktisches  Ausstellungsobjekt, z.B. für Schulen, Gemeinden und anderen Räumen. Eine ca. 300 cm breite x 300 cm tiefe und 200 cm hohe, quadratische Rauminstallation zeigt alle durch rechtsextreme Gewalt umgekommenen Menschen seit 1990. Die dicht an dicht gehängten Bögen bilden in ihrer Mitte einen geschlossenen Raum der Ruhe. Wir möchten nicht nur ein Gefühl der überwältigenden Zahl ermordeter Menschen geben, sondern auch auf ihre einzelnen Persönlichkeiten hinweisen und den Opfern auf diese Weise gedenken.

Wir haben 2011 einen Logo Wettbewerb durchgeführt, an dem mehr als 100 Bewerber aus dem Landkreis Celle teilgenommen haben. Das Echo in den Medien war enorm. Ziel war nicht nur ein eigenes Logo zu bekommen, sondern die Bürger am Entstehungsprozess teilhaben und aktiv an unserer Arbeit mitwirken zu lassen. Das neue Logo gibt uns eine optische Identität und seit Mai 2012 stellt uns die neue Webseite eine Plattform für Kommunikation und Dokumentation. Bürger können sich bei uns melden und auch uns über Nazi-Aktivitäten informieren, worauf wir dann öffentlich reagieren. Die Webseite wird ständig aktualisiert und informiert über anstehende und vergangene Aktivitäten.

www.netzwerk-südheide.de