Wir dürfen arbeitslose Menschen nicht alleine lassenStammtisch für Arbeitslose gibt Hilfe zur Selbsthilfe.
Als vor sieben Jahren in Unterlüß mit einem Schlag 252 Menschen ihre Arbeit verloren, wusste Pastor Wilfried Manneke, dass man auf diese dramatische Entwicklung reagieren muss. Er rief in seiner Gemeinde einen Stammtisch für Arbeitlose ins Leben und erhielt für diese Idee viele positive Rückmeldungen. Manneke: „Die Bürger bei uns finden es wichtig und richtig, dass sich die Kirche im Ort bei diesem wichtigen Thema einbringt.“
Auf der Tagesordnung des Stammtisches steht vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe. Der Unterlüsser Pastor lädt regelmäßig Fachleute aus diakonischen Einrichtungen des Kirchenkreises ein, etwa Brigitte Siebe von der Beratungsstelle für arbeitslose Bürger. Brigitte Siebe erläutert bei Bedarf Behördenscheiben, hilft bei Bewerbungen oder berät Betroffene ganz individuell in allen Situationen, die mit Arbeitslosigkeit zu tun haben. Und Horst-Peter Ludwigs vom Diakonischen Werk Celle gibt wertvolle Hinweise, wenn Arbeitslose in die Schuldenfalle geraten sind.
Neben diesen praktischen Tipps können aber auch die gemeinsamen Gespräche über die Erfahrungen mit der Arbeitslosigkeit weiterhelfen. „Wichtig ist mir“, so Pastor Manneke, „dass arbeitslos gewordene Frauen und Männer ihr Schicksal nicht nur als individuelles Problem sehen oder sich selbst die Schuld für ihre Situation geben. Arbeitslosigkeit kann heute jeden treffen, die Verkäuferin, die bei Karstadt ihre Anstellung verliert ebenso wie den Ingenieur, der plötzlich auf der Straße steht und nicht mehr weiß, wie er sein Eigenheim abbezahlen soll.“
So ist es dem Unterlüsser Pastor auch in seiner Arbeit als Seelsorger ein Herzensanliegen, offen mit dem Thema Arbeitslosigkeit umzugehen, denn häufig ist der Verlust des Arbeitsplatzes auch mit sozialer Isolation verbunden. „Wer regelmäßig zur Arbeit gehen kann, wird kaum ermessen können, wie sich jemand fühlt, der mit 45 Jahren aus dem Arbeitsmarkt aussortiert wurde und fürchten muss, nie wieder eine Anstellung zu finden. Das ist hart. Darum macht es mich wütend, wenn in der Politik oder in den Medien der Eindruck vermittelt wird, die meisten arbeitslosen Menschen seien nur zu faul zum Arbeiten!“
Durch den guten Kontakt zur Agentur für Arbeit in Celle gelingt es den Verantwortlichen des Stammtisches durchaus, arbeitslosen Teilnehmern der Runde eine neue Arbeit zu vermitteln. Nicht immer sind es reguläre Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt, manchmal sind es auch Arbeitsplätze, die auf dem Kombilohnmodell basieren. Dahinter verbirgt sich eine gemeinnützige Arbeit, die von der Agentur für Arbeit gefördert wird. Der Stammtisch für Arbeitslose wird seit Mai letzten Jahres auch in Eschede angeboten.
... und was ist, wenn es mich trifft?
Wer vorbereitet ist, geht mit der eigenen Erwerbslosigkeit besser um. Existenzielle Zusammenbrüche und Isolation müssen nicht zwangsweise auf Arbeitslosigkeit folgen.
Nicht selten sind finanzielle Probleme, soziale Isolation und das Gefühl von Nutzlosigkeit die Folge. Arbeitslosigkeit verursacht ja auch tief greifende Veränderungen gewohnter Strukturen. Kein Wunder, dass auf Arbeitslosigkeit häufig Ängste und Unsicherheiten folgen. Gemeinsame Gespräche können dieser Hilflosigkeit entgegen wirken. Neue Motivation und Orientierung können sich aus dem Erfahrungsaustausch Betroffener entwickeln. Deshalb laden wir zu einem „Stammtisch“ ein, der diese Gelegenheit zum Gespräch und Erfahrungsaustausch bietet. Mit folgenden Themen beschäftigen wir uns u. a. am „Stammtisch“:
· Wie sieht meine Zukunft aus? - Berufliche Ziel- und Neufindung, Neuorientierung.
· Worauf muss ich achten? - Ämter, Behörden.
· Was sind meine Stärken?
· Wie stärke ich mein Selbstwertgefühl?
· Woher bekomme ich Hilfe?
Pastor Uwe Schmidt-Seffers (Öffentlichkeitsbeauftragter des Ev.-luth. Kirchenkreises Celle)
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